Sport ist Mord? Meine Nahtoterfahrung beim Fußball

Im Alter von 5 Jahren begann ich mit der Sportart, die mich eigentlich mein ganzes Leben lang begleiten sollte. Die ersten Berührungen mit dem Freund aus Leder bei den Bambinis bis zur Bezirksliga habe ich 25 Jahre leidenschaftlich gerne Fußball gespielt. 2-3 mal die Woche Sachen gepackt und Samstage sowie Sonntage auf den Ascheplätzen dieser Welt

verbracht. Erst als Feldspieler, später als Torwart ging ich dem Volkssport Nummer 1 der Deutschen nach. Bis hin zu jenem Tag, den ich wohl niemals in meinem Leben vergessen werde. Beim ersten Training der neuen Saison, einem lockeren Trainingsspiel wurde mir plötzlich etwas schwindelig. Ich merkte sofort; dass etwas nicht stimmt, ich ging in die Knie und wartete ein wenig ab. Von diesem Zeitpunkt an fehlen mir einige Minuten; die wohl auch nicht mehr wiederkommen werden. Laut Erzählungen meiner Mitspieler muss ich wohl wieder aufgestanden sein, wild torkelnd einige Meter orientierungslos über den Platz gelaufen und nach ein paar Sekunden zusammengesackt sein. Es gehörte wohl für meine Kollegen nicht viel Phantasie dazu um zu realisieren, dass soeben etwas Schlimmes passiert ist.

Meine ganz persönlichen Nahtoderfahrungen

Als ich wieder zu mir kam, standen gefühlte 20 Mann um mich herum. Manche völlig aufgelöst, manche schon mit einem saloppen Spruch auf den Lippen. Steh auf Du Faulpelz usw. Ich persönlich habe natürlich die Welt nicht verstanden. Warum standen die da auf einmal alle? Was wollten sie von mir? Ich habe unwahrscheinlich gut geschlafen. Ich weiß noch, dass ich von vielen Sachen geträumt habe. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch nie vorher in meinem Leben so gut geschlafen habe. Selten ging es mir eigentlich so gut nach einem Schläfchen. Doch nach einigen Sekunden merkte auch ich recht schnell, dass etwas passiert sein musste. Meine linke Gesichtshälfte war verwundet, mein Knie offen, doch Schmerzen? Null.

Was war passiert?

Nach einer Herzkatheteruntersuchung im Krankenhaus stellten die Ärzte bei mir eine recht schwache Pumpleistung meines Herzens und vermehrt auftretende Herzrhythmusstörungen unter steigender Belastung fest. Diese Rhythmusstörungen waren wohl auch der Grund für meine Bewusstlosigkeit beim Fußballtraining. Das Ergebnis diverser Gespräche mit den Göttern in weiß ergab, dass ich wohl unglaubliches Glück gehabt haben musste. Nach zweiwöchigem Aufenthalt im Krankenhaus, der Implantation eines ICD´s (Herzschrittmacher-Defibrillator Kombination) wäre ich selbstredend am liebsten wieder so schnell wie möglich auf den Fußballplatz zurück gekehrt. Das ging natürlich leider nicht. 1 Jahr habe ich so gut wie gar keinen Sport getrieben. 15 kg zugenommen. Das geht sehr schnell. Vielleicht hat die ganze Tabletteneinstellung ja auch noch ihren Teil dazu beigetragen. Heute, 4 Jahre später, spiele ich wieder Fußball, zeitweise sogar wieder im Tor.

Natürlich höre ich heutzutage wesentlich mehr auf meinen Körper. Man lernt das Leben mehr zu schätzen und sieht manche Dinge wesentlich entspannter. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass ich mein Leben lang nie geraucht habe und selten Alkohol konsumiert habe. Ein schwaches Herz kann also im Prinzip jeder haben. Ob Sportler oder nicht. Gesund leben oder nicht. Aus diesem Grund füge ich hier ein Video über einen portugiesischen Profifußballer ein, welcher leider nicht so viel Glück hatte wie ich.

Mein Tipp an euch alle

Lieber einmal zu viel zum Arzt gehen, als einmal zu wenig. Was spricht gerade als Sportler dagegen, ein Mal im Jahr zum Kardiologen zu gehen und sich einem Belastungscheck oder einer Herzuntersuchung zu unterziehen. Eigentlich nichts oder? Eigentlich ist das Leben doch viel zu schön um die Segel wie in meinem Fall mit 27 zu streichen.

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2 thoughts on “Sport ist Mord? Meine Nahtoterfahrung beim Fußball

  1. Sehr erschreckend!!!

    Aber gleichzeitzig rüttelt soetwas auch wach. Ich denke WIR ALLE, auch oder gerade die, die regelmäßig Sport treiben sollten sich zumindest einmal im Jahr durchchecken lassen, damit uns soetwas wie Dir nicht passiert.

    Ich hoffe Dir gehts mitlerweile wieder gut und du genießt das Leben, trotz der 15kg mehr auf der Waage…

    Vielen Dank für diesen tollen Bericht!!!

  2. Hallo,

    ich finde es toll das Du Dein Erlebnis hier berichtest,
    natürlich ist es erschreckend aber kann somit für alle
    eine Auffoderung sein, besser auf den eigenen Körper zu achten.
    Ich arbeite im Herzkatheterlabor und aus meiner täglichen Erfahrung kann ich nur sagen, geht regelmäßig zum Check up bzw. nehmt die Wahrsignale eures Körpers ernst, um solchen Sachen vorzubeugen.

    Liebe Grüße

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