Zwei Jahre sind seit der letzten Weltmeisterschaft 2009, welche im Berliner Olympiastadion stattfand vergangen. Auch momentan schauen wieder einmal viele Menschen gebannt nach Daegu in Südkorea, wo die Fortsetzung des weltweit fünftgrößten Leichtathletik-Sportereignisses vom 27. August bis zum 4. September stattfindet.
WM-Vorbereitung: Trainingslager auf Jeju
Mit altbekannten Gesichtern, aber auch neuen, wie zum Beispiel die erst 19-jährige Gesa Felicitas Krause , reiste das insgesammt 72-köpfige deutsche Team in Südkorea an. Vorerst wurde auf der Ferieninsel Jeju ein Trainingslager zur WM-Vorbereitung absolviert. Dieses fand allerdings nicht bei allen Athleten anklang. Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler äußerte sich verärgert über den Kraftraum, welcher nicht nutzbar sei, da es in diesem Raum unmöglich sei, die Hantelstangen auf den Boden fallen zu lassen, ohne das dieser hinterher Schäden aufweisen würde. Der darauf folgende Umzug auf den Parkplatz half auch nicht mehr viel, als es zu regnen begann. Da wundert es niemanden mehr, dass Betty Heidler ihren Aufenthalt schon vier Tage früher, in einvernehmlicher Absprache mit den Verantwortlichen des DLV (Deutscher Leichtathletik Verband), mit ihren Trainern verließ. Laut Thomas Kurschilgen, dem Leistungssport-Direktor des DLV, habe sich das Trainingslager auf der südkoreanischen Ferieninsel Jeju, trotz einzelner Schwierigkeiten, allein schon wegen der Gewöhnung an das Klima gelohnt.
Bisherige deutsche Leistungen
Im Hochsprunglager hatte Malte Mohr allen Grund zur Freude. Er schaffte es als einziger des deutschen Trios ( Malte Mohr , Raphael Holzdeppe , Karsten Dilla → wurde Björn Otto vorgezogen) ins Finale am 29. August 2011und belegte den 5. Platz mit einer Leistung von 5,85 Meter. Auch im Diskusswurf gab es glänzende Erfolge. Robert Harting belegte mit 68,97 Meter Weite den ersten Platz und holte Gold. Eine Silbermedaille holte Nadine Müller mit einer Wurfweite von 65,97 Meter. Den 8. Platz im Kugelstoßen belegt Nadine Kleinert mit 19,26 Meter. Markus Esser gelang es beim Hammerwurf einmal mehr den 4. Platz zu erreichen. Das Weitsprunglager konnte leider keinen Erfolg verbuchen, da Nadine Kleinert in der Qualifikation mit einer Weite von 6,48 Meter 27 cm unter der Einzugsnorm lag. Eine besondere Überraschung lieferte die erst 19-jährige Gesa Felicitas Krause . Sie lief das 3000-Meter-Hindernis Finale mit einer Zeit von 9:32,74 Minuten und sicherte sich damit gleich zwei Rekorde (Deutscher A-Jugend-Rekord; U20-Europarekord) und belegte insgesamt den 9. Platz. Herzliche Glückwünsche dazu! Im Siebenkampf bei den Frauen holte Jennifer Oeser die Bronzemedaille mit 6572 Punkten. Lilli Schwarzkopf belegte mit 6321 Punkten den 6. Platz. Bei den Herren im Zehnkampf landete Pascal Behrenbruch mit 8211 Punktenauf dem 7. Platz, dicht gefolgt von seinem Mitstreiter Jan Felix Knobel , welcher mit 8200 Punkten auf Platz 8 landete.
Neue Fehlstart - Regel
Sieben lange Jahre war klar: Der erste Fehlstart wird akzeptiert, doch der zweite Übeltäter muss die Bahn verlassen, unabhängig davon ob er den ersten Fehlstart verursachte oder nicht. Dies wurde gerne zur „Fehlstartmanipulation“ eingesetzt. Athleten, welche den Start gut beherrschten verursachten einen beabsichtigten Fehlstart, um ihre Konkurrenten gezielt auszuschalten bzw. zu verwirren. Um diese unfaire Strategie loszuwerden, wurde schon vor der Weltmeisterschaft 2009, vom 47. Kongress des Weltverbandes IAAF in Berlin, eine neue Regelung beschlossen. Diese besagt die sofortige Disqualifikation nach einem Fehlstart. Zwar stößt die neue Regelung nicht bei allen auf Begeisterung, wie die Entscheidung von 97 zu 55 Stimmen zeigt, doch zumindest ist der Startpfuscherei ein Ende gesetzt. In Südkorea zeigte sie sogleich ihr Gesicht. Spitzensprinter Usain Bolt galt als absoluter Spitzenanwärter für die Goldmedaille, schied aber aufgrund seines Fehlstarts aus. Im ersten Moment war es die Ungläubigkeit, dann die Enttäuschung und Wut, die sich in ihm ausbreiteten. Es war geschehen, er war draußen. So verteilten sich die Chancen neu. Der berühmte Spitzensprinter war ausgeschieden. Diese Sache machte sich dann Johan Blake, ein 21-jähriger Trainingskollege von Usain Bolt, zu nutzen. Er gewann den Sprint mit 9,29 Sekunden.
Oscar Pistorius
Es ist eine absolute Sensation. So etwas hat es bisher noch nie gegeben. Oscar Pistorius hat es geschafft. Als Erster mit Behinderung startete er 2009 bei der südkoreanischen Weltmeisterschaft und nahm am 400- Meter-Lauf teil. Diese Teilnahme ist absolut umstritten. Der Streitpunkt hierbei sind seine Beinprothesen. Man ist sich nicht einig, ob der Energiefluss des Fußes mit dem einer Prothese gleichzusetzen ist. Schon 2007 wollte Oscar Pistorius an der WM der Nichtbehinderten antreten, doch dies verbot der Leichtathletik-Weltverband IAAF, der sich auf eine Studie des Sportwissenschaftlers Gert-Peter Brüggemann berief. Pistorius ließ es damit nicht beruhen. Er klagte, bekam Recht und so nahm die umstrittene Sensation ihren Lauf. Pstorius lief mit einer Zeit von 45,39 Sekunden ins Halbfinale. Am Montag, den 29. August 2011 kam Pistorius zwar als letzter ins Ziel, doch mit einer persönlichen Bestzeit von 46,19 Sekunden. Eines steht fest, der Lauf ist bis heute heftig umstritten, doch macht er allen Menschen mit Behinderten große Hoffnungen. Oscar Pistorius ist zu einer Art Vorbild für alle Betroffenen geworden, dass man sich mit einer Behinderung nicht verstecken muss, sodern ganz im Gegenteil. Seiner Devise nach sollte man normal weiterleben, ohne sich unterkriegen zu lassen! Das kann man nur bestärken. Doch trotzdem ist die Streitfrage in dieser Sache nicht ganz unbegründet. Wenn sich schon die Wissenschaftler nicht einig sind, ob es nun das Gleiche ist oder nicht, ist es eigentlich unmöglich eine nach den Richtlinien gerechte Entscheidung zu treffen. Zudem steht die Frage im Raum: Dürfen behinderte Menschen bei Wettbewerben für „Nicht-Behinderte“ teilnehmen, und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Wo soll man demnächst die Grenze ziehen?
