Boßeln – nicht nur für Friesen ein Trendsport

In Norddeutschland ist das Boßeln – manchmal auch Bosseln geschrieben oder Klootschießen genannt – schon lange ein beliebter Volkssport, der von norddeutschen “Emigranten” auch den anderen deutschen Bundesländern Verbreitung gefunden hat. Der große Vorteil des Boßelns ist die Einfachheit der Regeln, die geringe benötigte Ausstattung und vor allem der große Spaß, den das Boßeln als Mannschaftssport macht.
Alles, was für das Boßeln gebraucht wird, sind Teilnehmer, ein flaches Gelände und eine Kugel. Während Boßeln heute vor allem auf Feldwegen gespielt wird, wurde (und wird) das ursprüngliche Klootschießen seit dem Mittelalter auf Feldern gespielt. Obwohl das Klootschießen erst seit dem 16.Jahrhundert offiziell dokumentiert ist, beklagte sich schon der römische Schreiber Tacitus in seiner bekannten “Germania”-Abhandlung darüber, dasrs wilde Einheimische die römischen Legionäre aus dem Hinterhalt mit Kugeln aus getrocknetem Lehm bewarfen und dabei außerordentlich gut trafen. Ob sich aus dem “Römer treffen” das Boßeln entwickelt hat, ist jedoch unbekannt.

Heute messen sich viele Boßelvereine auf sportliche Weise in Wettbewerben und Ligen, doch in erster Linie ist das Boßeln noch immer eine vergnügliche Weise für größere Gruppen, Vereine und Kollegen, einen schönen Tag in freier Natur zu verbringen. Beim Straßenboßeln formieren sich Teams aus je vier Mitspielern, die reihum die Boßelkugel werfen. Der zweite der Mannschaft macht da weiter, wo die Kugel des Vorgängers gelandet ist. Wichtig ist dabei jedoch nicht, möglichst weit vorne zu liegen, sondern die Kugel des Gegners zu “überholen” – wenn das gelingt, gibt es einen Punkt, wenn nicht, erhält der Gegner den Punkt. Da jedes Teammitglied zehn Würfe hat, zieht sich die Strecke über mehrere Kilometer hin und sorgt so zugleich für eine nette Wanderung an der frischen Luft. Gewöhnlich ist auch ein Bollerwagen mit Verpflegung und flüssiger Stärkung dabei.

Das Boßeln kann auch als Einzelwerfen gespielt werden, bei dem es dann um Weite geht: Wer nach den zehn Würfen seine Kugel am weitesten befördert hat, ist der Gewinner. Auch kann das Boßeln wie das Klootschießen statt auf befestigten Straßen auf dem Feld gespielt werden, wo der Untergrund anspruchsvoller ist und die Wurftechnik mehr zählt, da die Kugel nicht mehr weit rollen kann, wenn sie einmal auf dem Ackerboden gelandet ist. Da auf den Feldern jedoch nur im Winter gespielt werden kann, wenn die Äcker nicht bestellt sind, ist diese Art des Boßelns eher etwas für Hartgesottene und nicht für Gruppen, die sich einen schönen Tag an der Sonne machen wollen. Theoretisch kann mit allen möglichen Kugeln geboßelt werden, doch die Investition in eine echte Boßelkugel lohnt sich.

In Ostfriesland und Oldenburg ist das Boßeln und Klootschießen als Sportart weit verbreitet und jeder kann sich den zahlreichen Vereinen anschließen, die Meisterschaften und andere Wettbewerbe untereinander veranstalten, bis hin zur deutschen Meisterschaft. Norddeutsche “Einwanderer” haben das Boßeln auch in Nordrhein-Westfalen populär gemacht, wo es mittlerweile einen Klootschießer- und Boßelverband gibt, sowie zahlreiche Vereine. Auch in anderen Ländern ist das Boßeln bekannt, so vor allem in den Niederlanden (von wo es einst über die Grenze nach Friesland schwappte), in Italien und in Irland, von aus irische Auswanderer es mit nach Kanada und in die USA nahmen, wo der Sport nun als Bowlplaying oder Road Bowling bekannt ist.

Bild Copyright: © Isleif Heidrikson – Fotolia.com

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